Topobjekt: Vergangenheit mit Zukunft
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Objektbeschreibung: Der Gebsattelbau als Teil der Comburg, einer der markantesten und kunsthistorisch bedeutsamsten Klosteranlagen Baden-Württembergs, ist ein herausragendes Beispiel für die zeitgemäße Nutzung von historischem Baubestand. Ziel der aufwendigen Restaurierungsmaßnahmen in den letzten Jahren war der Erhalt des baukulturellen Erbes nicht als museales Denkmal, sondern als belebtes und täglich genutztes Gebäude von besonderer historischer Bedeutung. Die Geschichte der Comburg Die Comburg steht auf einem Bergrücken über dem Kochertal und ist ein von nahezu sämtlichen Stilelementen des 11. bis 18. Jahrhunderts geprägtes Monument christlichen Lebens und Schaffens. Um 1078 von den Grafen von Rothenburg-Comburg anstelle ihrer Burg gestiftet, erlebte das zunächst unter dem Schutz der Staufer stehende Benediktinerkloster im 12. Jahrhundert eine Blütezeit. Aus dieser Zeit stammen ein Sechseckbau, ein schlichter Kreuzgang und ein Kapitelsaal mit zahlreichen Grabdenkmälern. Mit dem Ende der Stauferherrschaft begann im 13. Jahrhundert der langsame Niedergang des Klosters, im Jahr 1488 folgte die Umwandlung in ein Chorherrenstift des schwäbisch-fränkischen Adels. Unter Propst Erasmus Neustetter (1551 bis 1594) wurden viele Gebäude umgebaut bzw. neu erbaut. Im Zuge dieser Neugestaltung entstand die fast fünfhundert Meter lange Ringmauer mit überdachtem Wehrgang, Türmen und Rondellen, die die Anlage noch heute umgibt und der Comburg einen wehrhaften Charakter verleiht. Auch der Gebsattelbau, die ehemalige Propstei, wurde in dieser Zeit als lang gestreckter, dreigeschossiger Baukörper über einem Vorgängergebäude errichtet. Das Bauwerk war ursprünglich durch massive Zwischenwände in drei Teilgebäude gegliedert, die nicht miteinander verbunden waren. Der Gebsattelbau steht im inneren Klosterbezirk am östlichen Rand der barocken Hallenkirche St. Nikolaus, die von 1707 bis 1715 anstelle einer romanischen Basilika errichtet wurde. Gebsattelbau Bis ins 18. Jahrhundert blieb der Gebsattelbau weitgehend unverändert. Erst mit den umfassenden Umbauten des Stifts in den 1730er-Jahren wurden auch an diesem Gebäude größere bauliche Veränderungen durchgeführt. Hierbei wurden die Zwischenwände im zweiten Obergeschoss und im Dachgeschoss entfernt und ein zusammenhängendes Raumgefüge geschaffen. Man fasste die kleinen Räume zu größeren zusammen und ließ sie mit aufwendigen Stuckdecken ausstatten, die noch heute erhalten sind. Seit 1947 dient der Gebsattelbau als Fortbildungs- und Gästehaus für die Landesakademie fuür Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen und wurde im Jahr 1965 für diese Nutzung renoviert und modernisiert. Aufgrund der nicht mehr zeitgemäßen Ausstattung und des Reparaturstaus war Anfang 2010 eine erneute umfassende Instandsetzung notwendig geworden und Architekt Dirk Vogt-Merz vom Amt Heilbronn des Landesbetriebes Vermögen und Bau Baden-Württemberg wurde mit der Kernsanierung und -restaurierung beauftragt. Maßnahmen Zu Beginn der Instandsetzungsmaßnahmen stand eine genaue Analyse des Bestands im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Ausgehend von den Ergebnissen der Bauforschung erfolgte dann die Sanierung und Nutzungsanpassung. In den Gewölbekellern entstanden stilvolle Aufenthaltsräume für Gäste der Akademie, in den beiden darüber liegenden Geschossen wurden übernachtungszimmer eingerichtet. Das Obergeschoss beherbergt heute einen großen Tagungsraum sowie zwei kleinere Gruppenräume. Die Tagungs- und Aufenthaltsräume sind über Rampenanlagen und einen Aufzug barrierefrei zugänglich. Umfangreiche Arbeiten mussten an den Fassaden durchgeführt werden: Sämtliche Sandstein-Bauteile darunter das prächtige Schmuckportal und die Staffelgiebel wurden restauriert, die Putzflächen gereinigt, befestigt und mit KEIM Purkristalat gestrichen. Purkristalat ist eine reine Silikatfarbe aus dem Hause KEIM und eignet sich aufgrund seiner herausragenden Produkteigenschaften besonders zur Renovierung historischer Bausubstanz. Das gaubenfreie Satteldach wurde neu gelattet und mit Biberschwanzziegeln gedeckt. Zur energetischen Verbesserung des Bauwerks wurden die Außenwände wärmegedämmt, alle Fenster durch neue Sprossenfenster mit Zweifachverglasung ersetzt und die gesamte Gebäudetechnik erneuert. Die aufwendigen Stuckdecken wurden ebenso wie die noch vorhandenen Renaissancedecken gesichert und restauriert. Sonstige Decken- und Wandflächen ließ man je nach Raumprogramm und Anforderung mit mineralischen Innenraumfarben aus dem Hause KEIM beschichten: Die übernachtungszimmer wurden mit KEIM Biosil, einem Allergiker geeigneten, ökologisch einwandfreien Anstrich ausgeführt, in den Fluren, Tagungs- und Aufenthaltsräumen wurde mit KEIM Quarzil, einer hochqualitativen Innenfarbe auf Silikatbasis, gearbeitet. Fazit „Der beste Denkmalschutz ist eigentlich eine angemessene Nutzung”, fasst Dirk Vogt-Merz die Maßnahmen zusammen. „Auf der Comburg konnten wir die Leistungen unserer Altvorderen bewahren und dennoch die sinnvolle Forderung nach umweltgerechter, nachhaltiger Sanierung umsetzen. Damit verweisen wir zugleich auf Vergangenheit wie Zukunft.” Die Renovierung und Modernisierung historischer Gebäude ist immer eine Gratwanderung, die viele Kompetenzen fordert und eine enge Zusammenarbeit zwischen Denkmalschützern, Planern und Handwerkern voraussetzt. Doch nur wenn Baudenkmäler belebt sind, wenn sie heutigen Ansprüchen genügen, werden sie außerhalb eines musealen Kontextes bestehen können. Beim Gebsattelbau auf der Comburg ist dies in vorbildlicher Weise gelungen. |
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